Veredelung von Pflanzenölen
Hydrierte Pflanzenöle (auch HVO genannt, von Hydrogenated Vegetable Oils) sind ein Gemisch chemischer Verbindungen aus der Gruppe der langkettigen Alkane und damit reine Kohlenwasserstoffe. Ob diese langen Ketten Verzweigungen enthalten, hängt sehr von den jeweiligen Prozessbedingungen bei der Hydrierung ab. Hydrierte Pflanzenöle sind farblose, klare Flüssigkeiten. Da die Quelle der hydrierten Pflanzenöle unterschiedlichste Pflanzenöle sein können, hängen die Eigenschaften eines speziellen Typs neben den Prozessbedingungen auch sehr von dem jeweiligen Ausgangs-Triglycerids ab. Die Verteilung der Kettenlängen dieser langkettigen Alkane hängt ebenfalls direkt von der Art des verwendeten Pflanzenöls ab, so erhält man beim Einsatz von Rapsöl hauptsächlich C17- und C18-Alkane.
Im Vergleich zu konventionellem Dieselkraftstoff ist die Energiedichte von hydrierten Pflanzenölen aufgrund der niedrigen Dichte ca. 10% niedriger. Dies führt bei Verwendung von hydrierten Pflanzenölen als Dieselkraftstoff-Komponente zu einem Mehrverbrauch unter identischen Fahrtbedingungen. Da es sich bei hydrierten Pflanzenölen um lange, annähernd geradkettige Moleküle handelt, ist die Kältestabilität schlechter als die von Dieselkraftstoff.
Die folgende Tabelle von Eigenschaften enthält einige Kenndaten von hydrierten Pflanzenölen.
Tabelle : Eigenschaften von Pflanzenölen
| Dichte (bei 15°C) |
Ca. 775-785 kg/m³ |
| Viskosität (bei 40°C) |
Ca. 2,9 – 3,5 mm²/s |
| CP |
Ca. -5 - -30 °C |
| CFPP |
Ca. -5 - -30°C |
| Flammpunkt |
>72°C |
| Volumetrische Energiedichte |
Ca. 34 MJ/liter |
| Cetanzahl |
84 - 99 |
Hydrierte Pflanzenöle erhält man durch katalytische Reaktion von Pflanzenölen mit Wasserstoff, einer so genannten Hydrierung. Ein solcher Prozess kann mit reinem Pflanzenöl gefahren werden, es ist aber auch möglich, das Pflanzenöl als Teil des Einsatzes eines konventionellen Raffinerie-Hydrierungs-Prozesses zusammen mit Erdöl-Komponenten zu hydrieren. Wählt man die letztere Vorgehensweise, so findet man das hydrierte Pflanzenöl nach dem Prozess im Dieselschnitt der jeweiligen Anlage. Dieser Ansatz wird von BP in der Raffinerie von Bulwer Island/Australien verfolgt. Ein Nebenprodukt der Hydrierung von Pflanzenölen ist Propan, das bei der Hydrierung des Glycerin-Anteils der Öle entsteht.
Das hydrierte Pflanzenöl ist ein reiner Kohlenwasserstoff, bestehend aus Molekülen, wie sie auch im konventionellen, fossilen Dieselkraftstoff vorkommen. Von daher kann jeder Dieselmotor mit Dieselkraftstoff betrieben werden, der Zumischungen von hydriertem Pflanzenöl enthält. Limitierend sind lediglich die Kälteeigenschaften dieser Komponente (welche über die Art des Hydrierprozesses allerdings in gewissen Grenzen eingestellt werden können), sowie die geringe Dichte im Hinblick auf die Dieselkraftstoff-Norm DIN EN 590.