Biokraftstoffe und CO2-Emissionen

Von der Aussaat bis zur Verbrennung

n der Allgemeinheit ist die vereinfachte Annahme weit verbreitet, daß beim Verbrennen von Biokraftstoffen nur soviel CO2 entstehen kann, wie die Pflanze zuvor in ihrem Wachstumszyklus aus der Luft aufgenommen hat. 

Die ist aber nur ein Teil der Wahrheit. In der Realität verhält es sich so, daß in die CO2-Bilanz eines Biokraftstoffs sehr viele verschiedene Aspekte einfließen (z.B. die Düngung der Pflanzen, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Ernte, Transport & Logistik der Biomasse, Konditionierung & Prozessierung der Biomasse zu Biokraftstoffen, etc.). 


Im diesem Zusammenhang wird eine über  mögliche direkte oder indirekte Landnutzungsänderung diskutiert (z.B. indirect land use change / iLUC), d.h., dass beispielsweise Regenwälder oder andere sensible Landschaften  dem steigenden Anbau von Pflanzen zur Erzeugung von Biokraftstoffen zum Opfer fallen.

All diese Schritte bei der Herstellung eines Biokraftstoffs sind mit Energieverbrauch und somit mit CO2-Emissionen verbunden, die in die Gesamtbetrachtung einfließen müssen. Diese Gesamtbetrachtung wird in sogenannten „Well-to-Wheel“-Analysen (WTW-Analysen) durchgeführt, die die CO2-Bilanz des gesamten Weges von der Aussaat der Pflanzensamen bis zur Verwendung des Biokraftstoffs im Fahrzeugmotor errechnen.

"Well-to-Wheel"-Analysen

Schaut man sich die WTW-Analysen der heute im Markt vertretenen Biokraftstoffe im Detail an, so sind die Unterschiede bei den CO2-Einsparpotentialen sehr groß:

 •  Bioethanol, das in Brasilien auf Basis von Zuckerrohr hergestellt wird und bei dem die Prozeßenergie aus der Verbrennung der Biomasseabfälle gewonnen wird, hat ein CO2-Einsparungspotential von 80 bis 90% im Vergleich zu konventionellem Ottokraftstoff.
 
•  Bioethanol, das in Deutschland auf Basis von Weizen hergestellt wird und bei dem die Prozeßenergie aus der Verbrennung von Erdgas stammt, hat ein CO2-Einsparungspotential von 30 bis 40% im Vergleich zu konventionellem Ottokraftstoff. Stammt die Prozeßenergie aus der Verbrennung von Braunkohle emittiert man bei der Verwendung eines so hergestellten Bioethanols sogar mehr CO2 als wenn man direkt rein fossilen Ottokraftstoff nutzen würde.

 •  Biodiesel, der in Deutschland auf Basis von Raps hergestellt wird hat ein CO2-Einsparungspotential von 40 bis 50% je nachdem, wie man das unvermeidbare Nebenprodukt Glycerin verwendet.

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Um die CO2-Bilanz von Biokraftstoffen deutlich zu verbessern, entwickelt man zur Zeit Produktionsprozesse, die anstelle der Pflanzenfrüchte die gesamte Pflanzenmasse energetisch verwerten können. Man spricht in diesem Zusammenhang oft von Biokraftstoffen der zweiten Generation. Diese Prozesse könnten unter optimalen Bedingungen in der WTW-Analyse ein CO2-Einsparungspotential von über 90% erreichen.