Anforderungen

Herstellung und Qualität

Ob Kaltstart oder heiße Fahrt – Auf den Motor muss man sich verlassen können. Perfekte Startwilligkeit im Winter, ein runder Leerlauf, eine ruhige Tempofahrt und ruckfreies Beschleunigen auch an heißen Tagen sind Kriterien, die zum einen durch die technische Motorkonzeption bestimmt werden, zum anderen aber auch besondere Anforderungen an den Kraftstoff stellen.

Die Anforderungen an Ottokraftstoffe, die in der Produktion erfüllt werden müssen, sind vielfältig. Sie resultieren aus Gesetzen und Vorschriften, der Verteilerkette sowie der Anwendung im Motor. Dazu kommen produktionsspezifische Bedingungen und unterschiedliche Antriebskonzepte, die eine Differenzierung des Ottokraftstoffs in unterschiedliche Sorten erforderlich macht. Durch Verordnungen sind Mindestanforderungen in europäischen EN- und deutschen DIN-Normen festgelegt.

Kraftstoffqualitäten

Diese müssen durch entsprechende Auszeichnung an der Tankstelle erkennbar sein. Die 1993 eingeführte Kraftstoffqualitätsverordnung erlaubt nur noch Kraftstoffe, die alle Anforderungen der jeweils geltenden Kraftstoffnorm erfüllen.

Die drei Qualitätsstufen

Auf dem deutschen Markt werden entsprechend der Gewichtung der jeweiligen Anforderungen Ottokraftstoffe in drei Qualitätsstufen hergestellt und angeboten:

Stufe 1: Ottokraftstoff, der mindestens in einem Kennwert nicht die Mindestanforderungen der geltenden Kraftstoffnorm erfüllt. Diese Qualitätsstufe darf in Deutschland nicht verkauft werden. 

Stufe 2: Ottokraftstoff, der alle Normanforderungen erfüllt. 

Stufe 3: Ottokraftstoff, der über Stufe 2 hinaus zusätzliche und schärfere Anforderungen zur Verbesserung der Anwendungstechnik und des Umweltschutzes erfüllt.

Anforderungen aus der Praxis

Zwischen Herstellung, Lagerung und Verbrauch liegt beim Ottokraftstoff nur ein kurzer Lebenszyklus. Trotzdem muss er auch bei längerer Lagerung – beispielsweise im Reservekanister – „frisch“ bleiben. Spezielle Wirkzusätze bei Markenkraftstoffen sorgen dafür, dass der Alterungsprozess unter Einwirkung von Luft und höheren Temperaturen extrem langsam abläuft.

Optimale Fahrbedingungen

Um optimale Fahrbedingungen zu erreichen, muss der Kraftstoff diverse Anforderungen des Fahrzeuges bestmöglich erfüllen. 

Konkret heißt dies: Nach einer langen, kalten Nacht muss der Motor genauso leicht starten wie im Sommer, wenn nach kurzem Zwischenstopp der stark aufgeheizte Motor wieder angelassen wird. Der Motor darf im Leerlauf nicht ausgehen und bei Höchstbelastungen nicht unregelmäßig arbeiten. Auch unter ungünstigen Bedingungen dürfen sich keine störenden Rückstände im Ansaugsystem, Brennraum oder in der Ölwanne bilden. 

Negative Wechselwirkungen zwischen Ottokraftstoff, Motor- und Fahrzeugsystem und Umwelt gilt es zu vermeiden. Über allem steht die bedeutendste Anforderung: Niedriger Verbrauch bei minimalen Schadstoffemissionen.

Besondere Anforderungen an einen Kraftstoff

Kalter Motor: 
Für einen sicheren Kaltstart muss der Kraftstoff möglichst leichtflüchtig sein; die Siedekurve muss dafür niedrig, der Dampfdruck dagegen hoch sein. So wird das Starten und Warmlaufen erleichtert, da anderenfalls eine ungenügende Verdampfung zur Abmagerung des Gemischs führen würde bzw. zur übermäßigen Kraftstoffkondensation.

Heißer Motor: 
Die Anforderungen eines heißen Motors sind genau entgegengesetzt. Unter ungünstigen Bedingungen können Teile des Kraftstoffsystems so heiß werden, dass ein zu großer Anteil des Benzins verdampft. Die Folgen können "Dampfblasenbildung" in der Kraftstoff-Förderpumpe oder im Einspritzsystem sein, wodurch die Benzinzufuhr unterbrochen bzw. das Gemisch überfettet wird.

Der Kraftstoff muss an diese unterschiedlichen, sich teilweise widersprechenden Anforderungen so angepasst werden, dass ein reibungsloses, sicheres und schonendes Zusammenspiel möglich wird. Markenhersteller mischen daher den Basiskraftstoffen sog. „Erdöl-Ersatzkomponenten” wie Alkohole und Ether in begrenzten Anteilen sowie bestimmte chemische Wirksubstanzen bis zu 0,5 Gewichtsprozent bei. In der ständigen Weiterentwicklung der optimalen Zusammensetzung und Zusätze liegt der Schlüssel für den Qualitätskraftstoff. 

Entwicklung der Kraftstoffsorten

Nachdem das Normalbenzin aus dem Kraftstoffmarkt in Deutschland herausgenommen wurde, werden heute drei verschiedene Kraftstoffsorten angeboten: „Super (ROZ 95)”, „SuperPlus (ROZ 98)” und „Premium (ROZ 100+)“. Bei der Verbundproduktion der Raffinerien fallen verschiedenste Kraftstoffkomponenten mit unterschiedlicher Klopffestigkeit an: Leichtere und weniger klopffeste Bestandteile werden zu Super-Benzin, klopffestere zu SuperPlus und die hochklopffesten Komponenten hingegen werden zu Premium-Kraftstoff verarbeitet. 

Die Automobilindustrie nutzt diese Unterschiede zur Differenzierung ihres Fahrzeugangebotes, indem sie Motoren auf Super- oder SuperPlus-Benzin auslegt. Das höhere Verdichtungsverhältnis von SuperPlus-Motoren erlaubt einen niedrigeren Verbrauch bei höherer Leistung.

Heute sind nur noch unverbleite Ottokraftstoffe im Handel

In Deutschland gibt es aus Umweltschutzgründen seit 1997 keinen verbleiten Ottokraftstoff mehr. Die früher üblichen verbleiten Sorten unterschieden sich in einer Oktanzahl-Differenz von etwa 6 bis 7 Einheiten. Mit Einführung der Abgaskatalysatoren Mitte der 80er Jahre wurde das Ende für die verbleiten Kraftstoffe eingeleitet, denn Katalysatoren vertragen kein Blei. 

Bei den ersten bleifreien Sorten lag der Unterschied zwischen Normal- und Superbenzin nur noch bei rund 3 Oktanzahlen, woraufhin die Fahrzeugindustrie ihre Motoren mehr und mehr auf „Super” auslegte. Seit 1989 bietet die Mineralölindustrie mit SuperPlus eine weitere bleifreie Sorte mit einer Oktanzahl von ROZ 98 an.  Insbesondere die Modelle im Hochleistungsbereich werden seitdem daraufhin abgestimmt. 

EU-Umweltschutzrichtlinien

Im Jahr 2000 traten in der Europäischen Union zur Erfüllung bestimmter Luftqualitätsziele umweltrelevante Anforderungen an Fahrzeug- und Kraftstoffeigenschaften in Kraft, welche seitdem stetig verschärft werden. Die Mineralölindustrie passt sich diesen wachsenden Anforderungen permanent an und sorgt somit dafür, dass normgerechte Kraftstoffprodukte geliefert werden.

Anforderungen aus der Fahrzeugindustrie

Auch die Automobilindustrie ist gefordert und benötigt für ihre neuen Motor- bzw. Abgasentgiftungs-Technologien neue, noch umweltschonendere Ottokraftstoffe. Ein entsprechendes Anforderungsbündel wurde in der „World Wide Fuel Charta“ definiert. Allerdings konnte über die Erfüllung dieser überwiegend noch schärferen Bedingungen bisher noch keine Einigung erzielt werden.