Vakuumdestillation

Ein physikalischer Kunstgriff

Mit der Anzahl der C-Atome im Kohlenwasserstoffmolekül steigt auch die Siedetemperatur. Schmieröle beispielhaft liegen im Bereich zwischen C20 bis ca. C35 .

Die Siedetemperaturen der Kohlenwasserstoffe

Nun werden aber langkettige Kohlenwasserstoffmoleküle ab Temperaturen von ca. 330 °C sehr wärmeempfindlich und können zerbrechen (engl. „cracken"). Hierdurch entstehen kurzkettige, zum Teil ungesättigte Benzin- oder Mitteldestillatmoleküle. In Crackanlagen werden so mehr Benzine und Mitteldestillate gewonnen als ursprünglich im Erdöl vorhanden waren.

Der physikalische Kunstgriff

Um den bei über 300°C siedenden Rückstand aus der atmosphärischen Destillation mit möglichst wenig Anfall von Crackprodukten zu Schmierölfraktionen destillieren zu können, wendet man einen physikalischen Kunstgriff an: Mit der Erzeugung eines Vakuums von ca. 50 mbar in der Destillationskolonne wird die Siedetemperatur um ca. 100 °C herabgesetzt.

Nun kann - genau wie in der atmosphärischen Destillation - ein Trennen des hochsiedenden Rückstandes nach Viskositäten (Molekülgrößen) durch Erhitzen, Verdampfen und anschließendes Kondensieren bei unterschiedlichen Temperaturen stattfinden.

Die Endprodukte

Hierbei fallen überwiegend fünf unterschiedlich viskose, also in ihrer Zähflüssigkeit unterschiedliche Destillate an: 

  • Vakuumrückstand, Ausgangsprodukt für weitere Umwandlungen, d.h. Einsatz in katalytischen Crackanlagen, bzw. Visbreaker (zur HS-Produktion oder Unterfeuerung) bzw. Coker (zur Koksproduktion und Weiterverwertung zum Kalzinat)
  • Brightstock (sehr hoch viskose Ölkomponente)
  • Zylinderöl
  • Bitumen als separates Vermarktungsprodukt